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Abstract

P 101

Durchleuchtungstest nach Brückner bei simulierter Esotropie

Christian Vieregge, Qasem Alhammouri, Michael Gräf
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Standort Gießen, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Gießen

Hintergrund
Im Brückner-Durchleuchtungstest sind amblyogene Faktoren anhand des Fundusrotreflexes zu detektieren. Manifestes Schielen soll nach Brückner durch den helleren Reflex am schielenden Auge auffallen. In dieser Studie wurde untersucht, wie sensitiv eine Esotropie von ca. 2° bis 10° nach diesem Kriterium zu entdecken ist.
Methode
Fünf geübte Untersucher führten den Test mit einem direkten Ophthalmoskop in 1 m Abstand an 5 emmetropen und 5 gering isomyopen, orthotropen Personen durch. Die seitengleiche Vorgabe von Prismen mit Basis nasal simulierte eine Esotropie von jeweils ca. 2 bis 5°, 7,5° und 10°. Die Probanden fixierten das Licht des Ophthalmoskops in einer für den Untersucher unvorhersehbaren Reihenfolge mit dem rechten oder dem linken Auge. Zur Kontrolle erhielt jede Versuchsperson ebenfalls, für den Untersucher nicht erkennbar, Prismen von 0,5° mit Basis temporal vor beide Augen. Diese Ablenkung wurde fusional kompensiert, die resultierende Orthotropie diente als Kontrollbedingung. Die Untersucher mussten entscheiden, ob eine Seitendifferenz des Fundusrotreflexes bestand und wenn ja (positiver Test), welche Pupille heller leuchtete.
Ergebnisse
Eine Esotropie von 2 bis 5° fiel in 62 der 100 Versuche auf. In 48% der Versuche sahen die Untersucher den helleren Fundusreflex am abgewichenen Auge. Eine Esotropie von 7,5° bzw. 10° fiel in 85% bzw. 93% auf, der Fundusreflex war in 76% bzw. 86% der jeweils 100 Versuche am abgewichenen Auge heller. Um diese Detektionsraten zu erreichen, wurden sehr dezente Seitendifferenzen als auffällig gewertet. Bei den 300 Kontrollen mit Orthotropie ergaben sich 36% falsch positive Befunde.
Schlussfolgerungen
Im Durchleuchtungstest nach Brückner wurde eine Esotropie vom Ausmaß eines Mikrostrabismus nicht sicher erkannt. Eine Sensitivität von 62% ging mit einer Spezifität von nur 64% einher. Das schielende Auge wurde nur in 48% identifiziert. Der Brückner-Test genügt damit nicht als alleiniges Instrument zum Screening auf Strabismus.

 
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