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Abstract

P 162

Beidseitige nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION) unter Erythropoetin Substitution

Melanie Jäger, Frank Weinand
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Standort Gießen, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Gießen

Hintergrund
Die Gabe von rekombinantem humanem Erythropoetin gehört als Prophylaxe der renalen Anämie zur Standardtherapie bei Dialysepatienten. Ziel dieses Fallberichtes ist es, auf die möglichen okulären Folgen der Polyglobulie hinzuweisen.
Ergebnisse
Eine 50-jährige dialysepflichtige Patientin wurde mit seit einigen Tagen langsam fortschreitender beidseitiger Visusminderung (R 0,5, L 0,3) vorgestellt. Funduskopisch zeigte sich eine beidseitige leicht asymmetrische Papillenschwellung, während sich im Gesichtsfeld rechts mehr als links eher unspezifische Gesichtsfeldausfälle darstellten. Es erfolgte aufgrund einer Lymphomanamnese eine zerebrale Bildgebung, die außer einer Mikroangiopathie und mehreren postischämischen Läsionen keinen richtungsweisenden Befund aufzeigte. Blutentnahmen ergaben einen Hämoglobinwert von 15,3 g/l und einen Hämatokritwert von 44%. Im weiteren Verlauf traten eine linksseitige relative afferente Pupillenstörung und eine Verschlechterung des Gesichtsfeldbefundes auf. Erst nach konsequentem Absenken des Hämoglobinwertes auf 12 g/l durch Absetzen des Erythropoetins besserte sich der Befund. Zwei Monate nach Erstvorstellung hatte sich eine beidseitige Optikusatrophie entwickelt. Die Gesichtsfelddefekte bildeten sich nicht wieder vollständig zurück. Der Visus betrug bei der letzten Kontrolle rechts 0,6 und links 0,5.
Schlussfolgerungen
Neben der renalen Anämie und arteriellen Hypotension scheint ein erhöhter Hämoglobinwert unter Erythropoetindauertherapie bei Dialysepatienten ein weiterer Risikofaktor zur Entstehung einer NAION darzustellen. Daher sollte bei der Beurteilung und Therapie pathologischer Fundusbefunde von Dialysepatienten auf eine Anpassung der Erythropoetindauertherapie geachtet werden.

 
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