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Abstract

P 222

Jarisch-Herxheimer-Reaktion bei Primärtherapie einer Treponema pallidum/ HIV-Koinfektion mit beidseitiger asymptomatischer Panuveitis und Papillenschwellung bei 22-jährigem homosexuellen Patient – Therapie und Prophylaxe

Christina Müller, Bernhard Stoffelns, Norbert Pfeiffer
Universitäts-Augenklinik Mainz

Hintergrund
Syphilisinfektionen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Insbesondere homosexuelle Männer in Ballungsgebieten gehören der Hochrisikogruppe an. Häufig liegen Koinfektionen mit weiteren sexuell übertragbaren Krankheiten vor. Eine bei Primärtherapie eintretende Jarisch-Herxheimer-Reaktion kann eine lebensbedrohliche Schocksypmtomatik provozieren.
Methode
Die Vorstellung des Patienten erfolgte wegen beidseitiger Panuveitis mit Papillenschwellung, welche im Rahmen einer rheumatologischen Abklärung auffiel. Der Visus betrug beidseits ohne Korrektur 1.0. Neben einem Reizzustand im vorderen und hinteren Augenabschnitt lag eine Papillenrandunschärfe vor. Sonographisch wurden Drusenpapillen ausgeschlossen. VEP, Pupillomotorik, statische und dynamische Perimetrie waren unauffällig. Anamnestisch bestand seit 10/07 eine progrediente Alopezie und seit 08/08 unklare Polyarthralgien mit erhöhten Entzündungsparametern. Die urologische Untersuchung ergab Condylomata accuminata. Anamestisch war der Patient 2 Jahre zuvor aufgrund einer Gonorrhoe behandelt worden.
Ergebnisse
Serologisch wurde eine Infektion mit HIV und Treponema pallidum nachgewiesen. Die Lumbalpunktion sicherte das Vorliegen einer Neurosyphilis. Trotz immunsuppressiver Therapie mit 80 mg Prednisolon entwickelte der Patient unter der Primärtherapie mit Penicillin 10 Mega I.E. i.v. nach 2 Stunden Fieber, nach 5 Stunden eine instabile Kreislaufsituation mit Anurie im Sinne einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion. Unter intensiver Volumensubstitutionstherapie mit kristalloiden und kolloidalen Lösungen kam es 12 Stunden nach der ersten Penicillininjektion zur Stabilisierung des Kreislaufs.
Schlussfolgerungen
Trotz aufgrund der Uveitis erfolgter systemischer Steroidtherapie kam es zu einer ausgeprägten Jarisch-Herxheimer-Reaktion. Zur Vermeidung dient eine simultan verabreichte immunsuppressive Therapie mit Glukokortikoiden (1 mg/kg KG Prednisolon). Bei Auftreten einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion muss eine engmaschige Kontrolle der Kreislaufparameter sowie eine Volumenersatztherapie erfolgen. Im Hinblick auf die steigende Inzidenz sollte bei unklarem intraokularen Reizzustand routinemäßig eine Syphilis-Serologie erfolgen. Insbesondere Angehörige von Risikogruppen weisen eine hohe Komorbidität bezüglich sexuell übertragbarer Erkrankungen auf. Bei HIV-Koinfektionen sind akzelerierte Erkrankungsverläufe möglich, so dass auch junge Patienten fortgeschrittene Stadien der Syphilis präsentieren können.

 
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