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Abstract

DO.09.06

Rolle der Müllerzellen bei der Entstehung retinaler Ödeme

Andreas Bringmann

Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig

Hintergrund
Neben einer erhöhten Permeabilität der Blutgefäße ist eine Störung der Flüssigkeitsabsorption aus dem Netzhautgewebe ein ursächlicher Faktor für die Entstehung eines Netzhautödems. Normalerweise transportieren Müllerzellen überschüssige Flüssigkeit aus dem retinalen Gewebe in das Blut, z.T. über einen Wassertransport, der osmotisch an Kaliumströme gekoppelt ist. Eine Störung des Flüssigkeitstransportes durch Müllerzellen könnte zur Entstehung eines zytotoxischen Ödems (Zellschwellung) beitragen. Wir untersuchten die osmotische Schwellung von Müllerzellen in Tiermodellen verschiedener Netzhauterkrankungen.
Methode
Es wurde Netzhautgewebe von Ratten mit retinaler Ischämie-Reperfusion, okulärer Inflammation, Diabetes und Blaulicht-induzierter Netzhautschädigung untersucht. Die osmotische Schwellung der Müllerzellkörper wurde in akut isolierten Netzhautschnitten aufgezeichnet. Kaliumströme wurden von isolierten Müllerzellen abgeleitet.
Ergebnisse
Wir fanden, dass Müllerzellen von pathologisch veränderten Netzhäuten anschwellten, wenn die Netzhautschnitte einer hypoosmolaren Lösung ausgesetzt wurden. Müllerzellen von Kontrollnetzhäuten schwellten unter diesen Bedingungen nicht an. Die Schwellung der Müllerzellen zeigt eine Veränderung des Wassertransportes durch die Müllerzellmembran. Die Zellschwellung war mit einer Inaktivierung von Kaliumkanälen in der Müllerzellmembran verbunden und wurde durch Faktoren verursacht, die auch bei der Entstehung eines Netzhautödems eine Rolle spielen, z.B. oxidativer Stress und inflammatorische Faktoren wie Prostaglandine. Triamcinolon acetonid verhinderte die Schwellung der Müllerzellen, indem es eine Freisetzung von Adenosin im Netzhautgewebe induzierte. Über eine Aktivierung von A1-Rezeptoren bewirkt Adenosin eine Öffnung von Kaliumkanälen in der Müllerzellmembran.
Schlussfolgerungen
Eine Störung der Flüssigkeitsabsorption durch Müllerzellen kann zur Ausbildung eines zytotoxischen Ödems in der Netzhaut führen. Triamcinolon stimuliert wahrscheinlich die Flüssigkeitsabsorption aus dem Netzhautgewebe, da die Öffnung der Kaliumkanäle den Transport von Osmolyten und daher von Wasser durch die Müllerzellen verbessert.

 
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