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107. DOG-Kongress Home
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Abstract
DO.15.07
Augenärzte in der NSDAP
Jens Martin Rohrbach
Department für Augenheilkunde, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Tübingen
Hintergrund
Die am 5. Januar 1919 zunächst als Deutsche Arbeiterpartei (DAP) gegründete NSDAP nahm ab 1920 unter dem maßgeblichen Einfluss Adolf Hitlers einen rasanten Aufschwung. Von Anfang an, insbesondere aber nach der „Machtergreifung“ Hitlers am 30. Januar 1933, zeigten sich Ärzte besonders empfänglich für die nationalsozialistische Ideologie, wobei die noch in Diskussion befindlichen Gründe dafür vielschichtig gewesen sein dürften. Mit (bis 1945) 40-45% Parteimitgliedern war die Ärzteschaft relativ erheblich stärker in der NSDAP repräsentiert als praktisch alle sonstigen Berufsgruppen. Über die Parteimitgliedschaft speziell von Augenärzten in der Zeit des Nationalsozialismus liegen bisher nur marginale Untersuchungen vor.
Methode
Es wurden niedergelassene Augenärzte (DOG-Mitglieder laut Mitgliederverzeichnis von 1934) und die Ordinarien für Augenheilkunde mit der NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv Berlin abgeglichen.
Ergebnisse
Der Anteil der niedergelassenen Augenärzte mit NSDAP-Parteibuch ist reichsweit auf etwa 30% zu schätzen. Der Anteil der „Parteigenossen“ unter den ophthalmologischen Lehrstuhlinhabern betrug 13% (1933) bzw. 48% (1938 und 1943).
Schlussfolgerungen
Die Augenheilkunde besaß im Vergleich mit anderen medizinischen Disziplinen nur eine vergleichsweise geringe „System-Relevanz“. Trotzdem machten auch Ophthalmologen wie insbesondere der Breslauer Ordinarius Walter Dieter in Gliederungen der NSDAP Karriere. Erwartungsgemäß stieg der Anteil der NSDAP-Mitglieder unter den Ordinarien bis 1938 deutlich an, blieb dann aber bis Kriegsende stabil. Niedergelassene Augenärzte waren sehr wahrscheinlich etwas seltener „Parteigenosse“ als die niedergelassenen Ärzte insgesamt. Dennoch ist festzustellen, dass das NS-Gedankengut auch bei den Ophthalmologen im „Dritten Reich“ auf einen sehr fruchtbaren Boden fiel. |
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