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Abstract
DO.17.03
Formal-quantitative Analyse augenärztlicher Visitengespräche unter den Bedingungen des deutschen DRG-Systems
Frank H. W. Tost1, InesPapsdorf1, Hans-Joachim Hannich2
1Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum AöR der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; 2Institut für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum AöR der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Ziel: Seit 2004 werden Krankenhausbehandlungen über das DRG-Fallpauschalensystem organisiert. Während eines Krankenhausaufenthaltes gilt die Visite als Hauptkontaktmöglichkeit zwischen Arzt und Patient. Inwieweit sie den Bedürfnissen der Patienten nach Zuwendung und Unterstützung und auch deren Anspruch auf Informationen gerecht wird, sollte am Beispiel der ophthalmologischen Station eines Universitätsklinikums untersucht werden.
Methode: Über 4 Monate wurden im Jahr 2006 die Visitengespräche einer augenärztlichen Station mit Hilfe eines Tonbandgerätes aufgezeichnet. Insgesamt flossen 50 Arzt-Patienten-Gespräche von 50 Patienten und 5 unterschiedlichen Ärzten in die Untersuchung ein. Die Visitengespräche wurden einer formal, quantitativen Analyse unterzogen. Die subjektive Einschätzung des Visitengeschehens durch den Patienten überprüften wir mittels eines standardisierten Fragebogens.
Ergebnisse: Die Gesprächsdauer betrug knapp 4 Minuten (min. 1Min. 12 Sek., max. 6Min. 49 Sek.). 73% der gesprochenen Wörter (x 245,48 Wörter) entfielen auf den visitierenden Arzt. Der Patient nahm mit durchschnittlich 37 Wörtern pro Visitengespräch (11%) eine vorwiegend passive Rolle im Kommunikationsverlauf ein. Der Visitierende bestimmte mit 83% initiativen Wortmeldungen den Verlauf des Gesprächs, wobei er sich überwiegend mit untersuchungsbezogenen Verhaltensanweisungen an den Kranken richtete. Dem Arzt-Patienten-Gespräch standen mehrheitlich 2 personalinterne Dialoge gegenüber. 46 % des Visitengesprächs verliefen ohne aktive Beteiligung des Patienten. Auch die Informationsvermittlung erfolgte mit 56% impliziten Informationen vielfach über statt mit dem Kranken. In der subjektiven Befragung gaben die Patienten dennoch eine hohe (22%) bis sehr hohe (66%) Zufriedenheit mit der erlebten Visitenführung an.
Schlussfolgerungen: Das augenärztliche Visitengespräch sollte den patientenspezifischen Bedürfnissen zukünftig besser gerecht und der Informationswert der Visite für den Patienten erhöht werden. Organisatorische und strukturelle Veränderungen des Visitenablaufes sind notwendig, um das direkte Arzt-Patienten-Gespräch zu fördern. Die Einrichtung einer Vor- und Nachbesprechung würde den team- und patientenbezogenen Interessen einen eigenen Raum innerhalb des Visitenverlaufes bieten. |
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