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Abstract

FR.10.06

Kanaloplastie und transiente Vorderkammerblutung: ein prognostischer Faktor?

Jörg Koch, Arnd Heiligenhaus, Carsten Heinz

Augenabteilung am St. Franziskus Hospital, Münster

Hintergrund
Versuch der Bewertung von Vorderkammerblutungen nach Kanaloplastie.
Methode
In der Zeit von November 2008 bis März 2009 sind insgesamt 15 Augen von 11 Patienten bei einem primären Offenwinkelglaukom mit einer Kanaloplastie versorgt worden. Am Ende der OP, nach erfolgreicher 360 Grad Sondierung des Schlemmschen Kanals mit einem 200µm Durchmesser Mikrokatheter (iTrack, iScience Surgical Corp, Menlo Park, California), einer vollständigen Viskokanalostomie, Plazierung eines straff angespannten 10-0 Prolenefadens, um Zug auf das Trabekelmaschenwerk zu bringen und einem wasserdichtem Wundverschluss, wurden alle Augen in weich tonisierten Zustand (Augeninnendruck -IOD- zwischen 5-10 mmHg -Schiötz) und tiefer Vorderkammer ohne Blutung vom OP Tisch entlassen.
Ergebnisse
Der IOD am 1. postoperativen Tag betrug 9 mmHg (min. 1 mmHg, max. 20 mmHg). 14 von 15 Augen zeigten zu diesem Zeitpunkt eine Vorderkammerblutung mit einem Hyphaema von 0.5-2 mm Höhe. Das Auge ohne Blutung wies einen IOD von 20 mmHg auf, zeigte auch in der Folgezeit immer einen IOD über 13 mmHg. In keinem der 14 Augen mit unmittelbarer postoperativem Hyphaema kam es zu weiteren Nachblutungen, das Blut resorbierte sich in allen Fällen unkompliziert innerhalb von maximal 1 Woche.
Schlussfolgerungen
Im Gegensatz zur Trabekulektomie, bei der unter Umgehung des eigentlichen Kammerwasserabflusses über das Trabekelmaschenwerk eine artifizielle Fistel unter die Bindehaut geschaffen wird, legt man bei der Kanaloplastie eine Faden-vermittelte Dilatation des Schlemmschen Kanals sowie der Kollektorkanäle an, um den physiologischen Weg des Kammerwasserabflusses wieder herzustellen. Fällt der Vorderkammerdruck temporär unter das Niveau des venösen Kapillardrucks, muss es bei einem durchgängigem Leitungssystem zu einer Strömungsumkehr mit Blutreflux in die Vorderkammer so lange kommen, bis ein minimaler physiologischer Druckgradient von der Vorderkammer in Richtung Schlemm´schen Kanal wieder hergestellt ist. Nach Auffassung der Autoren zeigt eine transiente Vorderkammerblutung daher retrograd die gewünschte Durchgängigkeit der ableitenden Kammerwassersysteme an und kann nach jeder erfolgreichen Kanaloplastie erwartet werden, sofern der IOD am Ende der Operation geringer als der episklerale Venendruck ist.

 
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