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Abstract
FR.12.01
Lysosomale Speichererkrankungen: Klinik und neue Therapieverfahren
Michael Beck
Universitäts-Kinderklinik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Lysosomale Speicherkrankheiten werden durch einen genetischen Defekt von Enzymen hervorgerufen, die für den schrittweisen Abbau endogener Makromoleküle wie Proteinen, komplexen Kohlenhydraten und Lipiden verantwortlich sind. Diese Krankheiten sind multisystemisch und zeigen stets einen fortschreitenden Verlauf. Weiterhin zeichnen sie sich aus durch eine beträchtliche klinische Varibailität, und zwar hinsichtlich sowohl die Rate der Progression als auch der Art der Organbeteiligung.
Im Jahre 1991 konnte gezeigt werden, dass die regelmäßige Infusion (alle 2 Wochen) einer modifizierten Form der ß-Glukozerebrosidase, die aus menschlicher Plazenta extrahiert und gereinigt worden war, einen signifikanten therapeutischen Effekt bei Patienten mit M. Gaucher hat. Diese Behandlung führte zu einem Anstieg des Hämoglobins und der Thrombozyten und einem Rückgang der Milz-Größe. Die Wirksamkeit dieses Enzym-Präparates, das jetzt gentechnisch hergestellt wird, ist jetzt bei Tausenden von Gaucher-Patienten belegt. In den letzten Jahren wurden Enzym-Präparate auch für andere lysosomale Speicherkrankheiten entwickelt. Für Patienten mit M. Fabry stehen zwei unterschiedliche Enzym-Präparate zur Verfügung: Agalsidase alfa (Replagal®), das aus menschlichen Zellen hergestellt wird, und Agalsidase beta (Fabrazyme®), hergestellt aus Hamster-Ovarzellen. Beide Enzyme führen zu einer Linderung der Schmerzen, Reduktion der Herzmasse und Stabilisierung der Nierenfunktion. Jedoch haben beide Enzym-Präparate keinen Einfluss auf die zerebrovaskulären Komplikationen des M. Fabry.
Für drei Mukopolysaccharidosen steht eine Enzymersatz-Therapie zur Verfügung: Aldurazyme® für MPS I (M. Hurler und M. Scheie), Elaprase® für die MPS II (M. Hunter) und Naglazyme® für die MPS VI (M. Maroteaux-Lamy). In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass die Behandlung mit diesen Enzym-Präparaten zu einer Zunahme der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit (nachgewiesen unter anderem am 6-Minuten-Gehtest), einer Verbesserung der Lungenfunktion, Reduktion der Lebergröße und zu einer Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit führt. Diese Medikamente haben jedoch keinen Einfluss auf die Manifestation des Zentralnervensystems, da sie nicht die Blut-Hirnschranke überwinden können. Die Wirkungen einer Langzeit-Therapie sind noch nicht bekannt.
Das Enzym-Präparat Myozyme® hat positive klinische Effekte bei Patienten mit allen Formen des M. Pompe, dem infantilen, juvenilen und adulten Typ. Bei der infantilen Form führt das Enzym nicht nur zu einer Zunahme der Muskelstärke, sondern auch zu einer raschen Abnahme der pathologisch vermehrten Herzmuskelmasse.
Zusammenfassend zeigen alle Enzym-Präparate eine Wirkung auf einen Teil der Symptome und halten das Fortschreiten der Krankheit auf; zu einer vollständigen Heilung führen sie jedoch nicht.
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