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Abstract

FR.15.03

Die Rolle der Müllerzellen für Funktion und Integrität der Netzhaut

Andreas Reichenbach

Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung, Universität Leipzig, Leipzig

Hintergrund und Ziel:
In den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, daß die normale Funktion und Integrität der Netzhaut von den Müllerschen Gliazellen abhängen. Diese Zellen unterstützen Funktion und Überleben der Neuronen (durch ihren Beitrag zum Neurotransmitter- und Energiestoffwechsel der Retina). In jüngster Zeit konnte gezeigt werden, dass die Müllerzellen sogar die neuronale Signalverarbeitung beeinflussen können, beispielsweise durch Freisetzung neuroaktiver Substanzen nach Stimulation.
Methoden:
Ein spezieller experimenteller Messplatz wurde aufgebaut, um Anstiege der Ca2+-Konzentration in Müllerzellen nach Lichtreizung der Photorezeptoren aufzeichnen zu können. Weiterhin wurden neuartige transgene Mäuse generiert.
Ergebnisse:
Wir können zeigen, dass die Müllerzellen lichtevozierte neuronale Aktivität in der Retina „wahrnehmen“ können und mit zwei verschiedenen Ca2+-Antworten darauf reagieren. Alle Müllerzellen antworten mit langsamen, anhaltenden Ca2+-Anstiegen auf Belichtung der Photorezeptoren; dagegen antworten nur Sub-Populationen von Müllerzellen mit schnellen, transienten Ca2+-Wellen, die vom Endfuss zum Soma absteigen, auf starke Lichtreize. Wir nehmen an, dass dass diese Ca2+-Anstiege die Freisetzung von neuroaktiven Substanzen aus den Müllerzellen triggern, die schließlich die neuronale Aktivität modulieren. Um diese Hypothese zu testen, haben wir transgene Mäuse generiert, in denen selektiv in den Müllerzellen Ca2+-Anstiege durch Applikation eines „Alien“- Liganden ausgelöst werden können. Derzeit untersuchen wir, wie solche Ca2+-Anstiege die neuronale Aktivität in wholemount-Präparaten beeinflussen.
Schlussfolgerungen:
In der Retina findet ein komplexer bidirektionaler Signalaustausch zwischen Neuronen und Gliazellen statt. Diese Art von Glia-Neuron-Interaktion könnte signifikant zu den Mechanismen der visuellen Informationsverarbeitung beitragen, beispielsweise bei der Adaptation an hohe Lichtintensitäten.

 
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