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Abstract

SA.09.09

Die perforierende Keratoplastik im Kindesalter – das ewige Dilemma

Berthold Seitz
Klinik für Augenheilkunde, Universitätskliniken des Saarlandes, Homburg/Saar

Hintergrund
Die perforierende Keratoplastik (PKP) bei Kindern weist im Vergleich zum Erwachsenen besondere Probleme auf. Die schwierige Untersuchbarkeit und Mitteilungsbereitschaft wirkt sich dabei potenzierend auf die ohnehin erhöhte Komplikationsrate (z.B. Fadenlockerung, -infiltrate, Transplantatreaktion) aus. Wie ein Damoklesschwert hängt über den Kindern vor dem 7. Lebensjahr die Gefahr der Amblyopie als potentiell irreversible visuslimitierende Beeinträchtigung.
Methode
Wir berichten über unser Erfahrungen an 140 Keratoplastiken, die zwischen 1980 und 2002 bei Kindern vor dem 16. Lebensjahr durchgeführt wurden. Die potentiellen Indikationen zur Keratoplastik bei Kindern lassen sich einteilen in (1) kongenitale Trübungen (z.B. Dysgenesien, congenitale hereditäre Endotheldystrophie (CHED), und Buphthalmus), (2) erworbene traumatische Trübungen, (3) erworbene nichttraumatische Trübungen (z.B. infektiöse Narben, Keratokonus) und (4) Transplantateintrübungen.
Ergebnisse
Wir ziehen bei Kindern eine PTK, lamelläre Keratoplastik oder Autorotationskeratoplastik der PKP zur Verringerung des immunologischen Risikos und des allmählichen Endothelzellverlustes vor. Bei Sklerokornea halten wir aufgrund der Ophthalmopathologie eine PKP für kontraindiziert, bei Peters‘scher Anomalie ist alternativ eine optische Sektoriridektomie zu erwägen. Bei Buphthalmus muß vor einer PKP der intraokuläre Druck reguliert sein (z.B. vorher Trabekulotomie). Bei zentralen perforierenden Hornhaut- und Linsenverletzungen raten wir im amblyopiegefährdeten Alter nach primärer Wundversorgung zur simultanen Kunstlinsenimplantation mit der PKP, um eine rasche optische Rehabilitation zu erreichen. Ein eher kleinerer Transplantatdurchmesser und Einzelknüpfnähte werden bevorzugt, und eine frühe Fadenentfernung – besonders bei neuen Gefäßen – wird angestrebt. Die Indikation zur Narkoseuntersuchung stellen wir im Zweifel großzügig.
Schlussfolgerungen
Die Kornea-Transplantation sollte bei Kindern so früh wie nötig (weniger Amblyopie!), aber so spät wie möglich (bessere Kooperation!) erfolgen. Für ein gutes morphologisches und funktionelles Ergebnis der PKP bei Kindern sind neben der kritischen Indikationsstellung, die ausdrückliche Sensibilisierung der Eltern, die enge Zusammenarbeit mit den Narkoseärzten, und vor allem die exzellente Kooperation mit der Sehschule zur Amblyopieprophylaxe unverzichtbar.

 
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