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Abstract
SA.15.02
Rehabilitation bei Hemianopsie – Neue Ergebnisse zu einer kontroversen Diskussion
Susanne Trauzettel-Klosinski
Department für Augenheilkunde, Universität Tübingen
Patienten mit homonymen hemianopen Gesichtsfeldausfällen sind stark beeinträchtigt in ihrem alltäglichen Leben, insbesondere in Bezug auf ihre Lese- und Orientierungsfähigkeit.
Die hemianope Lesestörung ist abhängig vom Abstand des Gesichtsfeldausfalls zum Zentrum, d.h. der Größe des vorhandenen Lesegesichtsfeldes, der Seite des Ausfalls in Bezug zur Leserichtung und dem Auftreten von spontanen Adaptationsstrategien wie z.B. exzentrischer Fixation und prädiktiven Sakkaden. Spezifisches Lesetraining kann hilfreich sein.
Bezüglich der Verbesserung der hemianopen Orientierungsstörung gibt es zwei Ansätze für Trainingsmethoden, die seit langem kontrovers diskutiert werden: Restitution des Gesichtsfeldes durch visuelle Stimulation versus Kompensation durch explorative Augenbewegungen zur hemianopen Seite mit dem Ziel, das Blickfeld zu vergrößern. Einige frühere Studien berichteten über einen positiven Effekt eines solchen Sakkadentrainings, jedoch wurden diese Studien ohne Kontrollgruppen durchgeführt und konnten deshalb die Spezifität des Trainings nicht absichern.
Eine neue randomisierte und kontrollierte Studie* wird vorgestellt, die die Wirksamkeit eines kompensatorischen explorativen Sakkadentrainings nachweist: die Reaktionszeiten für eine Zahlen-Suchaufgabe sowie eine natürliche Suchaufgabe verkürzten sich und die Exploration von natürlichen Szenen verbesserte sich (die Anzahl der Fixationen auf der betroffenen Seite stieg an). Die Lebensqualität besserte sich meßbar im sozialen Bereich. Im Gegensatz dazu trat bei der Kontrollgruppe, die ein Gesichtsfeldstimulationstraining (flickernder Buchstaben in 22° Exzentrizität) erhielt, keine Änderung des Explorationsverhaltens auf. Auch die Gesichtsfelder blieben unverändert.
Die Befunde zeigen, daß mit einer visuellen Stimulation des Gesichtsfeldes, auch wenn sie an einem periphereren Ort als in vorausgegangenen Studien durchgeführt wird, keine Restitution des Gesichtsfeldes erreicht werden kann. Dagegen konnte die Wirksamkeit eines kompensatorischen Sakkadentrainings nachgewiesen und gezeigt werden, daß die Patienten die erlernte Strategie auch im Alltag anwenden können.
* Neurology 2009 , 72, 324-331 |
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