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Abstract

SO.08.10

Orbitabodenfraktur vor 40 Jahren – Lässt sich die Motilität noch bessern?

Pia Scharpenack1, Christian Kandzia1, Stephan Becker2, Johann Roider1
1Orth- und Pleoptik, Klinik für Ophthalmologie, Campus Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel, 2Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Campus Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel

Hintergrund
Die Versorgung der Orbitabodenfraktur insbesondere dann, wenn ein relevantes Motilitätsdefizit entstanden ist, kann eine anspruchsvolle interdisziplinäre Aufgabe sein. Die Rekonstruktion der knöchernen Orbita nimmt den gleichen Stellenwert ein, wie die darauf folgende operative Beseitigung des Motilitätsdefizites. Wir berichten über eine Patientin bei der eine Orbitabodenrekonstruktion und ein muskelchirurgischer Eingriff über 40 Jahre nach dem Unfall durchgeführt wurde und zu Beschwerdefreiheit der Patientin führte. 
Methode
Eine 62-jährige Patientin stellte sich wegen einer zunehmenden Kopfzwangshaltung mit entsprechenden orthopädischen Problemen vor. Diese ist bedingt durch einen Bulbustiefstand und einen kompletten Verlust der Hebung des linken Auges. Ursache dieses restriktiven Motilitätsdefizites ist eine seinerzeit unversorgte Orbitabodenfraktur mit Einklemmung des M. rectus inferior. Über die Jahre hatte die Patientin eine gewisse Diplopiefreiheit durch Reklination des Kopfes erreichen können. Von einer operativen Versorgung war der Patientin stets abgeraten worden. Jetzt hatte der betreuende Orthopäde die Patientin ermutigt, sich aufgrund der zunehmenden HWS-Degeneration in unserer Klinik mit der Frage nach einer operativen Versorgung vorzustellen. Im ersten Schritt wurde in der Mund-, Kiefer- Gesichtschirurgie ein Auffüllung des knöchernen Defektes im Bereich des Orbitabodens mit tabula externa durchgeführt. Hierbei wurde das abgesunkene orbitale Gewebe weitestgehend angehoben. Nach drei Monaten wurde im zweiten Schritt der M. rectus inferior und der M. obliquus inferior mobilisiert und von Narbengewebe befreit. Der M. rectus inferior wurde 10 mm rückgelagert.
Ergebnisse
Nach der Orbitabodenrekonstruktion war der Bulbustiefstand beseitigt. Durch den muskelchirurgischen Eingriff konnte die Motilität dahingehend verbessert werden, dass eine Hebung des betroffenen Auges 20° über Mittellinie möglich war. Die Senkung durch die langstreckige M. rectus inferior Rücklagerung war nur wenig defizitär, so dass insgesamt ein diplopiefreies Gebrauchsblickfeld ohne Kopfzwangshaltung erreicht werden konnte. Die Patientin ist beschwerdefrei.
Schlussfolgerungen
Funktionelle und ästhetische Verbesserungen sind  auch mehrere Jahrzehnte nach einer Orbitabodenfraktur möglich. Hier ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen und strabologischem Operateur sehr hilfreich, um ein optimales Ergebnis zu erreichen.

 
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