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Abstract

SO.09.08

Hydrophiler Glaskörperersatz – Ist dies die Zukunft?

Peter Szurman, Charlotte Frank, Martin S. Spitzer
Department für Augenheilkunde, Universitäts-Augenklinik, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen

Der natürliche Glaskörper ist als hoch-wasserhaltiges, faserverstärktes Verbundmaterial in seinen biophysikalischen Eigenschaften einmalig. Obwohl die ersten Ansätze zum Ersatz des menschlichen Glaskörpers über 100 Jahre zurückliegen, haben alle wissenschaftlichen Anstrengungen bisher kein ideales künstliches Glaskörperäquivalent hervorgebracht.
Wesentliche Anforderungen sind ein guter Tamponadeeffekt, ein ausreichendes mechanisches Andruckverhalten der Netzhaut ohne Auftriebsvektor und günstige rheologische Eigenschaften in Bezug auf Viskosität und Pseudoplastizität, bestehend aus einem inerten, bioverträglichen und langsam abbaubarem Material mit guter Kohesivität, Transparenz und Refraktionsstabilität, welches gleichzeitig eine metabolische Zirkulation zulässt und dennoch den Glaskörperraum tamponiert und kompartimentalisiert, als Schockabsorber dient und keine Leitschiene für Zellproliferation bietet, möglichst noch ausgestattet mit den Eigenschaften eines Medikamententrägers.

Die derzeit zur Verfügung stehenden Tamponaden erfüllen jeweils nur einen Teil der genannten Kriterien und sind konzeptuell weit entfernt von der Wirkungsweise des natürlichen Glaskörpers. Vielmehr stehen hier Oberflächen-/Grenzflächenspannung und Auftriebsvektor im Vordergrund, also Eigenschaften, die von einem natürlichen, hydrophilen Glaskörper gar nicht abgebildet werden. Inzwischen ist aber die Entwicklung polymerer, bioverträglicher Glaskörperäquivalente auf Hydrogel-Basis weiter fortgeschritten. Diese kommen den biophysikalischen Eigenschaften des natürlichen Glaskörpers deutlich näher und könnten in Zukunft eine neue Strategie in der Ablatio-Chirurgie sein.
 
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