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Abstract
SO.14.07
Epileptische Anfälle nach subkonjunktivaler 5-FU Therapie
René Höhn1, Julia Lamparter1, Daniel Herzog1, Stefan Klimpe2, Norbert Pfeiffer1, Urs Voßmerbäumer1
1Universitäts-Augenklinik Mainz, 2Neurologie, Universitätsklinikum Mainz
Hintergrund
Die antiproliferative Therapie mit subkonjunktivalen Injektionen von 5 mg 5-Fluorouracil (5-FU) nach Glaukomchirurgie ist ein Routineverfahren. Die Gesamtdosis während der postoperativen Phase pro Auge liegt je nach Indikation zwischen 5 und 75 mg.
Ergebnisse
Wir berichten über einen 68 Jahre alten Patienten, der einer komplikationslosen Trabekulektomie (TE) mit Mitomycin C (MMC) unterzogen wurde. 5-FU wurde erstmals am 4. postoperativen Tag komplikationslos subkonjunktival injiziert. Wenige Minuten nach der Injektion kam es zu einem dreiminütigen generalisierten, tonisch-klonischen Anfall. Ein zweiter Krampfanfall ereignete sich ca. 3 Stunden später. Eine Epilepsie des Patienten war bisher weder bekannt noch gab es in der Anamnese Hinweise auf epileptische Anfälle. Bekannte Grunderkrankungen waren eine arterielle Hypertonie, Koronare Herzerkrankung, Prostatahyperplasie, Hyperlipidämie und eine kongenitale Aortenisthmusstenose. Die neurologische Abklärung ergab im EEG generalisierte Spike-wave-Komplexe und in der zerebralen Bildgebung keine Pathologie. Zur Wundmodulation wurden 13 Tage später insgesamt zwei subkonjunktivale 5-FU-Injektionen unter Valproat komplikationslos durchgeführt. Drei Monate später erfolgte eine TE mit MMC am Partnerauge. 5 Stunden nach der 2. komplikationslosen Injektion kam es innerhalb von 90 Minuten zu zweimaligen generalisierten Krampfanfällen trotz oraler Dauertherapie mit Gabapentin.
Schlussfolgerungen
5-FU ist ein Pyrimidinantagonist, der die Synthese der DNA sowie die Funktion der RNA hemmt und ein etabliertes Chemotherapeutikum darstellt. Hierbei wird bei einer Dosis von 400-2400 mg/m² pro Zyklus eine Neurotoxizität in <1% der Fälle beobachtet. Die akute Form (dosisabhängig, reversibel) manifestiert sich typischerweise als Enzephalopathie oder Kleinhirnsyndrom. In wenigen Fällen sind epileptische Anfälle beschrieben worden. Ein genauer Pathomechanismus ist derzeit nicht bekannt. Jedoch konnte tierexperimentell eine akute Apoptoseinduktion neuronaler Zellen und langfristig eine Schädigung der Myelinscheiden gezeigt werden. In unserem Fall verursachte eine einmalige subkonjunktivale Gabe von nur 5 mg 5-FU epileptische Anfälle, welche unter antikonvulsiver Therapie nach weiteren Injektionen erneut auftraten. Nach Beendigung der Therapie mit 5-FU ist es zu keinem weiteren Ereignis gekommen. Dies ist unseres Wissens der erste beschriebene Fall epileptischer Anfälle nach subkonjunktivaler 5-FU Injektion.
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